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Was bedeuten „natürlich“, „bio“ und „dermatologisch getestet“?

Die Vorderseite von Verpackungen ist voller kurzer, eindrucksvoller Aussagen, die das Produkt verkaufen sollen: natürlich, bio, rein, chemiefrei, dermatologisch getestet, hypoallergen … Manche dieser Angaben sind durch Zertifikate mit strengen Regeln abgesichert, andere lassen sich sehr weit auslegen. In diesem Ratgeber erklären wir, was gängige Werbeaussagen bedeuten, wann sie eine echte Garantie bieten und warum „natürlich“ und „sicher“ nicht dasselbe sind.

Aktualisiert: 2026-10-116 Min. Lesezeit

Der Unterschied zwischen Werbeaussage und Zertifikat

Eine Werbeaussage ist eine Erklärung, die der Hersteller über sein Produkt abgibt. Nach dem EU-Recht und den daran angeglichenen Vorschriften in der Türkei müssen Werbeaussagen für Kosmetik wahr, belegbar, ehrlich und fair sein; sie dürfen Verbraucher nicht irreführen und keine gesetzlich vorgeschriebene Eigenschaft als Besonderheit des Produkts darstellen. Für Wörter wie „natürlich“ gibt es in der Kosmetik jedoch keine ausführliche, einheitliche gesetzliche Definition.

Ein Zertifikat zeigt dagegen, dass eine unabhängige Stelle das Produkt oder die Herstellung nach einem bestimmten Standard geprüft hat. Bei zertifizierten Produkten stehen meist das Logo der prüfenden Stelle und Angaben zum Zertifikat auf der Verpackung. Zuverlässiger ist es daher, nicht auf ein Wort auf der Vorderseite zu achten, sondern auf ein anerkanntes Zertifikatslogo und die Liste der Inhaltsstoffe auf der Rückseite.

„Bio“ bedeutet bei Lebensmitteln und Kosmetik etwas anderes

Bei Lebensmitteln sind die Begriffe „bio“ bzw. „öko“ gesetzlich geschützt. In der Türkei das Recht zum ökologischen Landbau, in der EU die EU-Öko-Verordnung schreiben vor, dass die Erzeugung von zuständigen Stellen kontrolliert und zertifiziert werden muss, damit diese Begriffe verwendet werden dürfen. In der Türkei tragen zertifizierte Produkte das staatliche Bio-Logo, in der EU das EU-Bio-Logo. Bio-Lebensmittel beschreiben eine Erzeugungsweise, bei der der Einsatz synthetischer Pestizide und Dünger eingeschränkt ist, sagen aber nichts über den Zucker-, Fett- oder Salzgehalt aus. Ein Bio-Keks ist eben auch ein Keks.

In der Kosmetik gibt es für „bio“ dagegen meist keine verbindliche, ausführliche gesetzliche Definition. Diese Lücke füllen private Zertifizierungsstandards; sie legen den Anteil biologischer Bestandteile, die erlaubten Verarbeitungsverfahren und die zulässigen Konservierungsmittel fest. Ein „Bio“-Kosmetikprodukt ohne Zertifikatslogo kann auch ein paar Bio-Pflanzenextrakte enthalten und ansonsten eine ganz gewöhnliche Rezeptur sein.

„Natürlich“ heißt nicht immer „sicher“

Ein aus der Natur gewonnener Stoff ist nicht automatisch sicherer als ein im Labor hergestellter. Toxikologisch kommt es nicht auf die Herkunft eines Stoffes an, sondern auf seine Struktur, seine Menge und darauf, wie er verwendet wird. Giftpilze, Giftefeu und manche Pflanzenextrakte sind völlig natürlich.

Das auffälligste Beispiel in der Kosmetik sind ätherische Öle. Lavendel-, Teebaum-, Zitrus-, Zimt- oder Ylang-Ylang-Öl enthalten von Natur aus bekannte Duftstoffallergene wie Linalool, Limonene, Geraniol, Eugenol und Citral. Ein Produkt mit der Aufschrift „ohne synthetisches Parfüm, nur mit natürlichen ätherischen Ölen beduftet“ kann daher für jemanden mit Duftstoffallergie genauso problematisch sein wie ein Produkt mit Parfüm. Einige Zitrusöle können zudem in Verbindung mit Sonnenlicht Hautreaktionen (Phototoxizität) auslösen.

Umgekehrt sind viele synthetisch oder „chemisch“ wirkende Stoffe äußerst wenig bedenklich. So werden etwa Dimethicone und Paraffinöl in gereinigter Kosmetikqualität von der Haut gut vertragen. Ausführlicher behandeln wir das Thema im Ratgeber Duftstoffallergene.

„Dermatologisch getestet“ und „hypoallergen“

  • Dermatologisch getestet: Das Produkt wurde unter Aufsicht einer Dermatologin oder eines Dermatologen an einer Gruppe von Freiwilligen getestet. Mit wie vielen Personen, an welchen Hauttypen und mit welchem Ergebnis der Test durchgeführt wurde, wird jedoch meist nicht angegeben. Die Angabe bedeutet nicht „von Dermatologen empfohlen“ oder „für jeden geeignet“.
  • Klinisch bewiesen: Deutet an, dass eine Studie zugrunde liegt; Umfang und Inhalt der Studie stehen jedoch nicht auf der Verpackung.
  • Hypoallergen: Behauptet, das Produkt sei so formuliert, dass die Wahrscheinlichkeit einer Allergie möglichst gering ist. Nach dem technischen Dokument der Europäischen Kommission zu Werbeaussagen für Kosmetik sollte diese Angabe nur verwendet werden, wenn das Produkt darauf ausgelegt ist, sein allergenes Potenzial zu minimieren, und wenn wissenschaftlich belastbare Daten bestätigen, dass dieses Potenzial sehr gering ist; die Angabe darf auch nicht den Eindruck erwecken, das Allergierisiko sei vollständig ausgeschlossen. Dennoch kann kein Produkt garantieren, dass das Allergierisiko für jeden null ist.
  • Nicht komedogen: Besagt, dass das Produkt darauf getestet wurde, die Poren nicht zu verstopfen; ein nützlicher Hinweis für zu Akne neigende Haut, aber keine sichere Garantie.

„Frei von …“-Aussagen

Angaben wie „parabenfrei“, „silikonfrei“ oder „sulfatfrei“ gehören zu den häufigsten Werbeaussagen. Das technische Dokument der Europäischen Kommission zu Werbeaussagen für Kosmetik (kein verbindliches Gesetz, sondern ein Leitfaden, auf den sich die Aufsichtsbehörden stützen) weist darauf hin, dass „frei von …“-Aussagen, die einen gesetzlich zugelassenen Stoff herabsetzen, Verbraucher irreführen können, und nennt als Beispiel ausdrücklich die Aussage „parabenfrei“. Nach demselben Dokument ist es ebenso unzulässig, „frei von …“ für einen Stoff anzugeben, der in dieser Produktart ohnehin nicht verwendet wird oder verboten ist. So ist zum Beispiel Methylparaben ein zugelassenes und gut untersuchtes Konservierungsmittel; das Konservierungsmittel, das stattdessen eingesetzt wird, kann manchmal weniger bekannt oder stärker allergen sein.

Eine „frei von …“-Aussage kann eine nützliche Information sein, wenn Sie eine bestimmte Allergie oder Empfindlichkeit haben. Ein Produkt wird dadurch aber im Allgemeinen nicht „sicherer“. Einzelheiten finden Sie im Ratgeber Parabene: Fakten und Mythen.

Die Angabe „chemiefrei“ ist wissenschaftlich sinnlos: Jeder Stoff, auch Wasser, ist eine Chemikalie.

„Natürlich“ und „umweltfreundlich“ bei Reinigungsprodukten

Auch bei Reinigungsprodukten werden Begriffe wie „natürlich“, „pflanzlich“ oder „umweltfreundlich“ häufig verwendet. Tenside pflanzlichen Ursprungs wie Coco-Glucoside können tatsächlich mild und leicht abbaubar sein; doch auch ein Produkt „auf pflanzlicher Basis“ kann Augen und Haut reizen, Duftstoffallergene enthalten oder stark sauer bzw. basisch sein.

Ein anerkanntes Umweltzeichen zeigt, dass das Produkt unabhängig nach bestimmten Umweltkriterien bewertet wurde. Eine „grüne“ Verpackung oder ein Blattmotiv ohne Logo ist dagegen für sich allein keine Garantie.

Was tun am Etikett?

  • Schauen Sie nicht auf das Wort auf der Vorderseite, sondern auf die Liste der Inhaltsstoffe.
  • Suchen Sie bei der Angabe „bio“ bei Lebensmitteln nach dem offiziellen Bio-Logo, bei Kosmetik nach einem anerkannten Zertifikatslogo.
  • Wenn Sie eine Duftstoffallergie haben, prüfen Sie auch bei „natürlichen“ Produkten ätherische Öle und deklarierte Allergene.
  • Verstehen Sie „dermatologisch getestet“ nicht als „passt garantiert zu meiner Haut“; testen Sie ein neues Produkt an einer kleinen Stelle.
  • Schauen Sie bei „frei von …“-Aussagen, was anstelle dieses Stoffes eingesetzt wurde.

Häufige Fragen

Ist Bio-Kosmetik sicherer?

Für sich genommen nicht. Die Angabe bio beschreibt, wie die Bestandteile erzeugt wurden. Auch Bio-Pflanzenextrakte und ätherische Öle können Allergene enthalten; die Sicherheit hängt von der gesamten Rezeptur ab.

Was garantiert die Angabe „dermatologisch getestet“?

Sie zeigt, dass das Produkt unter dermatologischer Aufsicht an Freiwilligen getestet wurde; Einzelheiten zum Test werden aber meist nicht genannt, und es bedeutet nicht, dass das Produkt für jeden geeignet ist.

Lösen natürliche Produkte keine Allergien aus?

Doch, das können sie. Ätherische Öle und Pflanzenextrakte können von Natur aus bekannte Duftstoffallergene enthalten. Natürlich zu sein bedeutet kein geringes Allergierisiko.

Woran erkenne ich ein Bio-Lebensmittel?

In der Türkei tragen zertifizierte Bio-Produkte das offizielle Bio-Logo und Angaben zur Zertifizierungsstelle, in der EU das EU-Bio-Logo mit der Codenummer der Kontrollstelle. Nur „natürlich“ oder „vom Bauernhof“ auf dem Etikett bedeutet nicht, dass es ein Bio-Produkt ist.

Was bedeuten „vegan“ und „nicht an Tieren getestet“?

Vegan bedeutet, dass das Produkt keine Bestandteile tierischen Ursprungs enthält. In der EU und in der Türkei sind Tierversuche für fertige Kosmetikprodukte ohnehin verboten. Diese Angaben informieren über ethische Aspekte, sagen aber nichts über die Hautverträglichkeit oder das Allergierisiko des Produkts aus.

Diese Seite dient der allgemeinen Information und ist keine persönliche medizinische Beratung. Warnhinweise auf dem Etikett und der Rat von Fachleuten haben immer Vorrang.