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Lebensmittel

Was bedeuten E-Nummern? Lebensmittelzusatzstoffe auf dem Etikett verstehen

Wenn auf einem Lebensmitteletikett Codes wie E330, E471 oder E211 stehen, stellen viele Menschen das Produkt zurück ins Regal. Dabei zeigt eine E-Nummer eigentlich, dass es sich um einen geprüften und zugelassenen Zusatzstoff handelt. Manche dieser Codes sind so alltäglich wie die Zitronensäure im Zitronensaft oder Vitamin C; andere verdienen tatsächlich einen genaueren Blick. In diesem Ratgeber erklären wir die Logik der E-Nummern und bei welchen es sich lohnt, besonders hinzuschauen.

Aktualisiert: 2026-10-116 Min. Lesezeit

Was ist eine E-Nummer?

Das „E“ steht für Europa. Erhält ein Zusatzstoff eine E-Nummer, bedeutet das, dass seine Verwendung als Lebensmittelzusatzstoff in der Europäischen Union zugelassen ist. Diese Zulassung stützt sich heute auf die wissenschaftlichen Bewertungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). In der Türkei sind Zusatzstoffe im Rahmen des Türkischen Lebensmittelkodex (Türk Gıda Kodeksi) geregelt, und das System ist weitgehend an das der EU angeglichen.

Zusatzstoffe können auf dem Etikett entweder mit ihrer E-Nummer oder mit ihrem Namen angegeben werden; in beiden Fällen steht ihre Funktion davor. „Konservierungsstoff (E211)“ und „Konservierungsstoff (Natriumbenzoat)“ bedeuten also dasselbe. Manche Hersteller schreiben lieber den Namen, weil sie glauben, dass die Nummer Verbraucher abschreckt; das bedeutet nicht, dass sich der Inhalt geändert hat.

Wie sind die Nummern gruppiert?

E-Nummern sind grob nach der Funktion des Stoffes in Hundertergruppen eingeteilt. Diese Einteilung ist keine strenge Regel, verschafft beim Lesen des Etiketts aber einen schnellen Überblick:

Phosphate verteilen sich dagegen über einen weiten Bereich zwischen E338 und E452; daher begegnen sie Ihnen auf dem Etikett unter verschiedenen Nummern. Einzelheiten finden Sie auf der Seite zu Phosphaten.

Zugelassen heißt nicht, dass alle gleich sind

Dass ein Zusatzstoff zugelassen ist, bedeutet, dass er unter den festgelegten Verwendungsbedingungen und in den festgelegten Mengen als sicher gilt. Das heißt aber nicht, dass alle E-Nummern gleich harmlos sind. Für manche Zusatzstoffe ist die duldbare tägliche Aufnahmemenge (ADI) recht hoch oder es ist gar keine Begrenzung nötig; für andere sind die Grenzen enger gefasst und die Verwendung ist nur in bestimmten Produktgruppen erlaubt.

Außerdem werden wissenschaftliche Bewertungen im Laufe der Zeit aktualisiert. Die EFSA führt ein Programm zur Neubewertung älterer Zulassungen durch. So wurde zum Beispiel Titandioxid (E171) 2022 in der EU als Lebensmittelzusatzstoff verboten, nachdem die EFSA 2021 zu dem Schluss gekommen war, dass es nicht mehr als sicher gelten kann. Auch in der Türkei wurde E171 mit der 2023 veröffentlichten neuen Verordnung über Lebensmittelzusatzstoffe des Türkischen Lebensmittelkodex von der Liste der zugelassenen Zusatzstoffe gestrichen; Lebensmittelunternehmen erhielten eine Übergangsfrist bis zum 1. April 2024. Das ist ein Beispiel dafür, dass das System funktioniert; es erinnert aber auch daran, dass „zugelassen“ keine dauerhafte Garantie ist.

Welche E-Nummern verdienen mehr Aufmerksamkeit?

  • Einige künstliche Farbstoffe: Für Produkte mit Tartrazin (E102) und bestimmten Azofarbstoffen schreibt das EU-Recht den Warnhinweis „Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen“ vor. Tartrazin kann bei empfindlichen Menschen außerdem allergieähnliche Reaktionen auslösen.
  • Natriumnitrit (E250): Es ist in verarbeitetem Fleisch für die mikrobiologische Sicherheit wichtig, kann aber beim Erhitzen auf hohe Temperaturen zur Bildung von Nitrosaminen beitragen. Die IARC hat verarbeitetes Fleisch als krebserregend für den Menschen (Gruppe 1) eingestuft. Es ist sinnvoll, Produkte wie Wurst, Salami und Würstchen in Maßen zu essen.
  • Sulfite (E220–E228): Sie kommen in Trockenobst, Wein und manchen Getränken vor. Bei manchen Menschen mit Asthma können sie Reaktionen auslösen; deshalb müssen sie ab einer bestimmten Menge auf dem Etikett als Allergen gekennzeichnet werden.
  • BHA (E320): Von der IARC in Gruppe 2B eingestuft (möglicherweise krebserregend für den Menschen; begrenzte Belege). Die zulässige Einsatzmenge ist begrenzt.
  • Süßungsmittel: Aspartam enthält Phenylalanin und ist daher für Menschen mit Phenylketonurie (PKU) ungeeignet; auf dem Etikett steht ein entsprechender Hinweis. Die IARC hat Aspartam 2023 in Gruppe 2B aufgenommen, im selben Zeitraum hat das JECFA die duldbare tägliche Aufnahmemenge jedoch nicht geändert.

Häufige E-Nummern, die keine Sorgen bereiten

Ein großer Teil der Codes, die Sie häufig auf Etiketten sehen, sind Stoffe, die auch in der Natur vorkommen oder die Sie mit der täglichen Ernährung ohnehin aufnehmen. E300 ist Vitamin C, E306 ist Vitamin E, E330 ist die Zitronensäure, die natürlich in Zitronen und Orangen vorkommt, E322 (Lecithin) steckt in Eigelb und Soja, E500 ist das Natron aus der Küche, und E260 ist Essigsäure, der Hauptbestandteil von Essig.

Ein Produkt allein nach der Zahl seiner E-Nummern zu beurteilen, kann daher in die Irre führen. Ein Produkt mit fünf E-Nummern kann harmloser sein als ein anderes mit nur einem problematischen Zusatzstoff.

Wie man E-Nummern auf dem Etikett einordnet

  • Schauen Sie zuerst auf die Funktion: Angaben wie „Farbstoff“, „Konservierungsstoff“ oder „Süßungsmittel“ vor der Nummer verraten, warum der Zusatzstoff enthalten ist.
  • Achten Sie auf die Art, nicht auf die Anzahl: Prüfen Sie, zu welcher Gruppe er gehört und ob er auf der obigen Liste der Stoffe steht, die Aufmerksamkeit verdienen.
  • Denken Sie an Ihre persönliche Situation: Wenn Asthma, PKU, bestimmte Allergien oder kleine Kinder eine Rolle spielen, schauen Sie bei den entsprechenden Zusatzstoffen genauer hin.
  • Betrachten Sie das Produkt als Ganzes: Viele Zusatzstoffe sind meist ein Zeichen dafür, dass ein Produkt stark verarbeitet ist. Das eigentliche Ernährungsproblem ist oft weniger der Zusatzstoff als vielmehr die Menge an Zucker, Salz und gesättigten Fetten.

Tipps zum Lesen des gesamten Etiketts finden Sie in unseren Beiträgen Lebensmitteletiketten lesen und versteckte Namen für Zucker.

Häufige Fragen

Ist alles mit einer E-Nummer Chemie und schädlich?

Nein. Eine E-Nummer zeigt nur, dass der Stoff geprüft und zugelassen wurde. Viele Codes wie Vitamin C (E300), Zitronensäure (E330) und Natron (E500) stehen für Stoffe, die wir aus dem Alltag kennen.

Ist ein Produkt mit der Aufschrift „ohne Zusatzstoffe“ gesünder?

Nicht immer. Ein Produkt ohne Zusatzstoffe kann viel Zucker, Salz oder Fett enthalten. Man sollte das Produkt als Ganzes beurteilen, zusammen mit der Zutatenliste und der Nährwerttabelle.

Sollten Menschen, die halal oder vegan essen, auf E-Nummern achten?

Manche Zusatzstoffe können tierischen Ursprungs sein; E120 (Karmin) wird zum Beispiel aus Insekten gewonnen, E471 kann aus pflanzlichen oder tierischen Fetten hergestellt werden. Für Angaben zur Herkunft muss man das Zertifikat des Produkts prüfen oder sich an den Hersteller wenden.

Sind die E-Nummern in der Türkei dieselben wie in der EU?

Die Zusatzstoffregelung des Türkischen Lebensmittelkodex ist weitgehend an die der EU angeglichen, und es wird dasselbe Nummerierungssystem verwendet.

Was sagt es aus, wenn ein Produkt viele E-Nummern hat?

Meist zeigt es, dass das Produkt stärker verarbeitet ist; das allein bedeutet aber nicht, dass es schädlich ist. Welche Zusatzstoffe enthalten sind und wie viel Zucker, Salz und Fett das Produkt enthält, ist aussagekräftiger als die Zahl der Codes. Bei Produkten, die Sie häufig essen, ist es generell eine gute Gewohnheit, weniger verarbeitete Varianten zu wählen.

Diese Seite dient der allgemeinen Information und ist keine persönliche medizinische Beratung. Warnhinweise auf dem Etikett und der Rat von Fachleuten haben immer Vorrang.