Shampoo-Etikett lesen: Sulfate, Silikone, Konservierer und Parfüm erklärt
Die Vorderseite eines Shampoo-Etiketts ist Marketing, die Rückseite ist Information. Die lange, englisch-lateinisch wirkende INCI-Liste auf der Rückseite mag auf den ersten Blick abschreckend aussehen, lässt sich aber nach ein paar einfachen Regeln lesen. In diesem Ratgeber erklären wir, welche Stoffgruppen meist in einem Shampoo stecken, welche für wen wichtig sind und wie Sie die Liste in wenigen Sekunden überfliegen können.
Schauen Sie zuerst auf die Reihenfolge
Bei Kosmetikprodukten werden die Inhaltsstoffe nach ihrer Menge im Produkt in absteigender Reihenfolge aufgeführt. Bei Shampoos steht fast immer Wasser (Aqua) an erster Stelle; direkt danach folgt das Tensid, das eigentliche Reinigungsmittel des Produkts. Die ersten fünf bis sechs Stoffe bestimmen also weitgehend den Charakter des Shampoos.
Stoffe mit einem Anteil unter 1 % dürfen dagegen in beliebiger Reihenfolge angegeben werden. Deshalb sind Pflanzenextrakte, Vitamine oder Proteine, die Sie am Ende der Liste sehen, oft nur in sehr kleinen Mengen enthalten. Ein typisches Beispiel: Auf der Vorderseite steht groß „mit Arganöl“, auf der Rückseite kommt es erst nach dem Parfüm. Einzelheiten zur Logik der Reihenfolge finden Sie im Ratgeber Reihenfolge in der Inhaltsstoffliste.
Die Namen in der Liste sind INCI-Bezeichnungen, die weltweit einheitlich verwendet werden. So können Sie die Zusammensetzung eines in der Türkei verkauften Shampoos mit der eines im Ausland verkauften anhand derselben Namen vergleichen. Pflanzenextrakte werden meist mit ihren lateinischen Namen angegeben (zum Beispiel Rosmarinus Officinalis Leaf Extract); das ist keine seltsame Chemikalie, sondern Rosmarinblattextrakt.
Reinigende Stoffe: Sulfate und milde Alternativen
Die Reinigungs- und Schäumarbeit eines Shampoos übernehmen anionische Tenside. Die bekanntesten sind Natriumlaurylsulfat (SLS) und Natriumlaurethsulfat (SLES). Beide lösen Fett und Schmutz wirksam; SLS ist etwas stärker und trocknet mehr aus, SLES ist milder.
Behauptungen, diese Stoffe würden Krebs verursachen oder Haarausfall auslösen, sind wissenschaftlich nicht belegt. Entscheidend ist vielmehr, dass sie bei empfindlicher, trockener oder zu Ekzemen neigender Kopfhaut Trockenheit und Reizungen verursachen können. Da Shampoo abgespült wird, ist die Kontaktzeit kurz; die meisten Menschen vertragen sulfathaltige Shampoos problemlos.
- Cocamidopropyl Betaine: ein Co-Tensid, das meist zusammen mit Sulfaten eingesetzt wird, den Schaum verstärkt und Reizungen verringert.
- Coco-Glucoside und andere Glucoside: sehr milde Tenside aus Zucker und Pflanzenöl, häufig in „sulfatfreien“ Formulierungen.
- Namen wie Sodium Cocoyl Isethionate oder Sodium Lauroyl Sarcosinate sind ebenfalls Beispiele für milde anionische Tenside.
Wem sulfatfreie Produkte wirklich nützen, beschreiben wir ausführlich im Ratgeber sulfatfreies Shampoo.
Silikone: Geschmeidigkeit und Glanz
Stoffe, deren Name meist auf „-cone“ oder „-siloxane“ endet, sind Silikone. Sie umhüllen das Haar mit einem dünnen Film, erleichtern das Kämmen, verringern statische Aufladung und verleihen Glanz. Dimethicone gehört für Haut und Haar zu den Stoffen mit der geringsten Bedenklichkeit; es wird nicht über die Haut aufgenommen und löst nur sehr selten Allergien aus.
Bei zyklischen Silikonen wie Cyclopentasiloxane (D5) geht es weniger um die Gesundheit als um die Umwelt: Weil sie in der Natur nur langsam abgebaut werden, hat die Europäische Union die Verwendung von D4 und D5 in Rinse-off-Produkten 2020 beschränkt und die Beschränkung mit einer 2024 verabschiedeten Regelung auf D6 sowie auf Leave-on-Kosmetik ausgeweitet (für Leave-on-Produkte reicht die Übergangsfrist bis 2027). Bei feinem Haar können sich Silikone mit der Zeit ansammeln und das Haar beschweren; das ist kein Gesundheitsproblem, sondern eine Frage der persönlichen Vorliebe. Gelegentlich ein Tiefenreinigungsshampoo zu verwenden, entfernt diese Rückstände.
Konservierungsmittel: Warum sind sie da, und bei welchen ist Vorsicht geboten?
Da Shampoo Wasser enthält und im feuchten Badezimmer immer wieder geöffnet und geschlossen wird, bietet es Keimen gute Bedingungen. Ein Shampoo ohne Konservierungsmittel kann schnell schimmeln oder Bakterien bilden; Konservierungsmittel sind daher ein Sicherheitsfaktor. Einzelheiten finden Sie im Ratgeber Konservierungsmittel in Kosmetik.
- Phenoxyethanol, Natriumbenzoat und Kaliumsorbat: verbreitete Konservierungsmittel, die innerhalb der zulässigen Grenzen wenig bedenklich sind.
- Methylisothiazolinone (MIT) und Methylchloroisothiazolinone (MCI): starke Kontaktallergene. In der EU sind sie in Leave-on-Produkten verboten und in Rinse-off-Produkten nur in sehr niedriger Konzentration erlaubt. Wenn bei Ihnen schon einmal eine Allergie gegen diese Stoffe festgestellt wurde, suchen Sie auf dem Etikett unbedingt danach.
- DMDM Hydantoin und ähnliche Stoffe: Konservierungsmittel, die mit der Zeit kleine Mengen Formaldehyd freisetzen; Menschen mit Formaldehydallergie wird empfohlen, sie zu meiden.
Parfüm und Allergene
Auf dem Etikett steht nur ein Wort, „Parfum“ oder „Fragrance“; dieses Wort kann jedoch für ein Gemisch aus Dutzenden Duftbestandteilen stehen. Das europäische Recht schreibt vor, dass bestimmte Duftstoffallergene oberhalb eines Schwellenwerts gesondert angegeben werden. Namen wie Linalool, Limonene, Citronellol oder Geraniol gegen Ende der Liste gehören dazu.
Diese Stoffe sind nicht für jeden ein Problem, für Menschen mit Duftstoffallergie aber ein wichtiger Hinweis. Wenn Sie Juckreiz, Rötung oder Schuppung der Kopfhaut bemerken, ist ein parfümfreies Produkt ein sinnvoller erster Schritt. Mehr dazu im Ratgeber Duftstoffallergene.
Pflegende und unterstützende Stoffe
Neben Tensid und Konservierungsmittel enthalten Shampoos auch Stoffe, die Haar und Kopfhaut geschmeidig machen. Glycerin bindet Feuchtigkeit, Panthenol (Provitamin B5) hilft, dass sich das Haar weich und elastisch anfühlt. Namen, die mit „Polyquaternium“ beginnen, sind kationische Polymere, die das Haar leichter kämmbar machen. Sodium Chloride (Kochsalz) wird dagegen meist nur zugesetzt, um die Konsistenz zu verdicken.
Stoffe wie Citric Acid stellen den pH-Wert des Produkts ein; Disodium EDTA bindet Mineralien aus hartem Wasser und hilft dem Shampoo so, besser zu schäumen. Das sind Hilfsstoffe in geringen Anteilen.
Checkliste: das Etikett in 30 Sekunden lesen
- Schauen Sie auf die ersten fünf Stoffe: Wasser und das darauf folgende Tensid zeigen, wie stark das Shampoo reinigt.
- Wenn Ihre Kopfhaut empfindlich ist, prüfen Sie, ob SLS weit vorn steht und ob Parfüm enthalten ist.
- Wenn Sie eine bekannte Allergie haben (MIT, Formaldehyd, bestimmte Duftstoffe), suchen Sie gezielt nach diesem Namen in der Liste.
- Prüfen Sie das Versprechen der Vorderseite auf der Rückseite: Wo in der Liste steht der beworbene Pflanzenextrakt?
- Wenn Ihr Haar schwer wird, schauen Sie sich Silikone und schwere Öle genauer an.
Denken Sie daran: Ein einzelner Stoff macht ein Produkt nicht „gut“ oder „schlecht“. Wichtig sind Ihr Haar- und Hauttyp, die Art der Anwendung und gegebenenfalls bekannte Empfindlichkeiten. Bei anhaltendem Juckreiz, Ausschlag oder Haarausfall ist es am besten, eine Hautärztin oder einen Hautarzt zu fragen.
Häufige Fragen
Verursacht SLS im Shampoo Haarausfall?
Nein, dafür gibt es keine wissenschaftlichen Belege. SLS kann auf empfindlicher Kopfhaut Trockenheit und Reizungen verursachen; dass es die Haarwurzeln beeinträchtigt und so zu Haarausfall führt, wurde jedoch nicht nachgewiesen.
Ist Shampoo mit Silikonen schädlich?
Silikone wie Dimethicone sind für Haut und Haar wenig bedenklich. Einige zyklische Silikone sind in der EU beschränkt, weil sie in der Umwelt langlebig sind. Bei feinem Haar können sie sich ansammeln; das ist keine Gesundheits-, sondern eine Geschmacksfrage.
Wenn auf dem Etikett Parfüm steht – wie erfahre ich, welche Duftstoffe enthalten sind?
Die vollständige Rezeptur wird nicht angegeben; in der EU werden jedoch Duftstoffallergene oberhalb eines bestimmten Schwellenwerts (etwa Linalool, Limonene) gesondert aufgeführt. Wenn Sie eine Duftstoffallergie haben, können Sie nach diesen Namen suchen.
Was bedeuten die Nummern mit „CI“ auf dem Etikett?
„CI“ und die darauf folgende fünfstellige Nummer bezeichnen Farbstoffe, die dem Produkt seine Farbe geben (Colour Index). In der EU dürfen Farbstoffe am Ende der Liste in beliebiger Reihenfolge stehen. Bei farblosen oder klaren Shampoos fehlen diese Nummern womöglich ganz.
Ist Shampoo ohne Konservierungsmittel sicherer?
Fehlt in einem wasserhaltigen Produkt das Konservierungsmittel, steigt das Risiko mikrobiellen Verderbs. „Konservierungsmittelfreie“ Produkte nutzen meist spezielle Verpackungen oder andere Konservierungsmethoden; dass sie allein dadurch sicherer wären, lässt sich nicht sagen.
Diese Seite dient der allgemeinen Information und ist keine persönliche medizinische Beratung. Warnhinweise auf dem Etikett und der Rat von Fachleuten haben immer Vorrang.