Waschmittel und Weichspüler: Inhaltsstoffe und Dosierung auf dem Etikett verstehen
Waschmittel und Weichspüler hinterlassen Spuren in der Kleidung, die jeden Tag unsere Haut berührt. Trotzdem werden die Inhaltsangaben auf der Rückseite der Verpackung oft übersehen. Etiketten von Reinigungsprodukten folgen anderen Regeln als Kosmetiketiketten: Statt einer vollständigen Liste werden Stoffgruppen und Prozentbereiche angegeben. In diesem Ratgeber erklären wir, wie Sie diese Angaben lesen, worauf Sie bei empfindlicher Haut achten können und warum die Dosierung mindestens so wichtig ist wie die Zusammensetzung.
Wie ist ein Waschmittel-Etikett aufgebaut?
Die EU-Detergenzienverordnung und die daran angeglichene Regelung in der Türkei verlangen, dass bestimmte Stoffgruppen auf Waschmittelverpackungen in Prozentbereichen angegeben werden. Auf dem Etikett sehen Sie Angaben wie „5–15 % anionische Tenside, unter 5 % nichtionische Tenside, Seife, Phosphonate, Enzyme, optische Aufheller, Duftstoffe“.
Außerdem müssen Enzyme, Konservierungsmittel, optische Aufheller und Duftstoffe unabhängig von ihrer Menge genannt werden. Duftstoffallergene oberhalb eines bestimmten Schwellenwerts werden ebenfalls namentlich angegeben. Die vollständige Liste der Inhaltsstoffe veröffentlicht der Hersteller meist auf seiner Website; die Adresse steht auf der Verpackung.
Reinigende Stoffe: Tenside
Die eigentliche Reinigungskraft von Waschmitteln stammt von Tensiden. Anionische Tenside, insbesondere lineares Alkylbenzolsulfonat (LAS), lösen Schmutz und Fettflecken wirksam. In Flüssigwaschmitteln kommen auch SLES und Seife häufig vor; nichtionische Tenside unterstützen besonders bei fettigen Flecken und beim Waschen mit niedriger Temperatur.
In konzentrierter Form können diese Stoffe Augen und Haut reizen; bei richtiger Dosierung und gutem Ausspülen ist die in der Kleidung verbleibende Menge jedoch sehr gering. Manche Produkte verwenden mildere Tenside pflanzlichen Ursprungs wie Coco-Glucoside.
Nonylphenolethoxylate, die in älteren Rezepturen vorkamen, sind in der EU in Waschmitteln weitgehend beschränkt, weil sie in der Umwelt zu Stoffen mit hormonähnlicher Wirkung abgebaut werden. In unserer App werden sie in einem hohen Risikobereich eingestuft.
Enzyme, Aufheller und Phosphate
- Enzyme (Protease, Amylase, Lipase, Cellulase): Sie bauen Eiweiß-, Stärke- und Fettflecken schon bei niedriger Temperatur ab. Dadurch ist wirksames Waschen bei 30–40 Grad möglich. Weil Enzyme beim Einatmen die Atemwege sensibilisieren können, ist dieses Risiko vor allem für Beschäftigte in der Produktion wichtig; für Verbraucher verringert die verkapselte Form der Enzyme das Risiko stark. Beim Einfüllen von Waschpulver den Staub nicht einzuatmen, ist trotzdem eine gute Gewohnheit.
- Optische Aufheller: Sie reinigen die Wäsche eigentlich nicht, sondern wandeln UV-Licht in blaues Licht um, sodass Weißes strahlender wirkt. Da sie dafür gemacht sind, im Stoff zu verbleiben, wurden bei empfindlicher Haut selten Reaktionen berichtet. Bei bunter und dunkler Wäsche sind sie unnötig; in Colorwaschmitteln sind sie meist nicht enthalten.
- Natriumpercarbonat: ein Sauerstoffbleichmittel, das im Wasser Sauerstoff freisetzt. Es ist schonender zu farbigen Textilien als chlorhaltige Bleiche.
- Phosphate: Sie enthärten das Wasser und steigern so die Wirkung des Waschmittels, führen aber in Seen und Flüssen zu übermäßigem Algenwachstum (Eutrophierung). Deshalb ist die Verwendung von Phosphaten in Haushaltswaschmitteln und Geschirrspülmitteln für Maschinen in der EU streng begrenzt. An ihre Stelle sind Zeolithe, Citrate und Polycarboxylate getreten.
Weichspüler: Esterquats und Parfüm
Der Hauptbestandteil von Weichspülern sind kationische Tenside; die heute verbreitetsten davon sind Esterquats. Sie lagern sich an die Textilfasern an, sorgen für ein weiches Gefühl und verringern statische Aufladung und Knitterbildung. Im Vergleich zu älteren kationischen Tensiden werden Esterquats in der Umwelt leichter abgebaut und gelten als gering bis mäßig bedenklich.
Der eigentlich umstrittene Punkt bei Weichspülern ist meist die Menge an Parfüm. Produkte, die lang anhaltenden Duft versprechen, hinterlassen Duftbestandteile im Stoff, die den ganzen Tag mit der Haut in Kontakt kommen. Für Menschen mit empfindlicher Haut oder Ekzemen kann es hilfreich sein, weniger Weichspüler oder eine parfümfreie Variante zu verwenden.
Weichspüler können die Saugfähigkeit von Handtüchern verringern und die Feuchtigkeitsableitung technischer Stoffe in Sportkleidung beeinträchtigen. Für diese Textilien wird meist empfohlen, keinen oder wenig Weichspüler zu verwenden. Manche geben statt Weichspüler etwas Essig oder Zitronensäure in das Weichspülerfach; verwenden Sie Essig jedoch niemals im selben Waschgang wie Chlorbleiche.
Konservierungsmittel und Duftstoffallergene
Flüssigwaschmittel und Weichspüler enthalten Wasser und brauchen deshalb Konservierungsmittel. Häufig eingesetzt werden Isothiazolinon-Derivate wie Methylisothiazolinone (MIT) und Benzisothiazolinone (BIT). Da diese Stoffe starke Kontaktallergene sind, sollten Menschen mit MIT-Allergie auch die Etiketten von Reinigungsprodukten prüfen. Handschuhe und gründliches Ausspülen verringern die Belastung erheblich.
Duftstoffallergene werden oberhalb eines bestimmten Schwellenwerts zusätzlich mit Namen wie Linalool oder Limonene angegeben. Waschpulver benötigen meist keine Konservierungsmittel und können daher für Menschen, die auf MIT oder BIT empfindlich reagieren, eine Option sein. Mehr über Duftbestandteile erfahren Sie im Ratgeber Duftstoffallergene.
Dosierung: die am häufigsten übersehene Angabe
Auf Waschmittelverpackungen steht eine Dosiertabelle, die sich nach Wasserhärte und Verschmutzungsgrad richtet. Mehr Waschmittel macht die Wäsche nicht sauberer; im Gegenteil, das Produkt kann im Stoff zurückbleiben, sich in der Maschine ablagern und das Risiko von Hautreizungen erhöhen. Außerdem gelangen so unnötig Chemikalien ins Abwasser.
In Gegenden mit hartem Wasser kann etwas mehr Waschmittel nötig sein; bei weichem Wasser reicht meist die untere Grenze der empfohlenen Dosis. Bei Konzentraten ist die Dosis kleiner; wichtig ist, die richtige Markierung am Messbecher zu verwenden.
- Halten Sie sich an die empfohlene Dosiertabelle und berücksichtigen Sie Ihre Wasserhärte.
- Nutzen Sie bei empfindlicher Haut das Programm mit zusätzlichem Spülgang.
- Für Babykleidung und empfindliche Haut können Sie parfümfreie Produkte wählen.
- Bewahren Sie Waschmittelkapseln für Kinder unerreichbar auf; ihr buntes, weiches Aussehen kann zu Unfällen durch Verschlucken führen.
- Bewahren Sie Waschmittel in der Originalverpackung auf und füllen Sie es nicht in andere Behälter um.
Wurde Waschmittel oder eine Kapsel verschluckt oder ist etwas ins Auge gelangt, spülen Sie mit reichlich Wasser und rufen Sie Ihren örtlichen Giftnotruf an (in der Türkei: Nationales Giftinformationszentrum UZEM, 114). Weitere Sicherheitsinformationen finden Sie im Ratgeber Chlorreiniger und Salzsäure sicher verwenden.
Häufige Fragen
Muss man Weichspüler verwenden?
Nein. Weichspüler macht Stoffe weich und duftend, reinigt aber nicht. Bei empfindlicher Haut, Handtüchern und Sportkleidung kann man ihn reduzieren oder ganz weglassen.
Braucht man für Babykleidung ein spezielles Waschmittel?
Nicht unbedingt; ein parfüm- und farbstofffreies, richtig dosiertes Waschmittel zusammen mit einem zusätzlichen Spülgang ist für empfindliche Babyhaut jedoch ein guter Ansatz.
Sind optische Aufheller schädlich?
Sie gelten meist als gering bis mäßig bedenklich. Da sie dafür gemacht sind, im Stoff zu verbleiben, kann es bei sehr empfindlicher Haut selten zu Reaktionen kommen. Bei Buntwäsche sind sie unnötig.
Reinigt mehr Waschmittel besser?
Nein. Zu viel Waschmittel kann Rückstände im Stoff hinterlassen, sich in der Maschine ablagern und die Haut reizen. Sich an die Dosiertabelle auf der Verpackung zu halten, ist für Sauberkeit und Hautgesundheit am besten.
Was ist besser: Flüssigwaschmittel oder Waschpulver?
Beide haben Vorteile. Flüssigwaschmittel lösen sich bei niedriger Temperatur leicht auf und wirken gut bei fettigen Flecken; da sie Wasser enthalten, brauchen sie aber Konservierungsmittel. Waschpulver enthalten meist keine Konservierungsmittel und können für Weißes Sauerstoffbleiche enthalten. Für Menschen mit MIT- oder BIT-Empfindlichkeit kann Waschpulver eine Option sein.
Diese Seite dient der allgemeinen Information und ist keine persönliche medizinische Beratung. Warnhinweise auf dem Etikett und der Rat von Fachleuten haben immer Vorrang.