Etiketten von Baby- und Kinderprodukten lesen: Parfüm, Konservierer, Puder, Sonnencreme
Das Regal mit Babyprodukten ist voller sanft klingender Versprechen wie „sensitiv“, „natürlich“ oder „brennt nicht in den Augen“. Für Eltern ist die Produktwahl wichtig und zugleich oft verwirrend. Dieser Ratgeber will keine Angst machen, sondern in ruhigem Ton ein paar wirklich hilfreiche Tipps zum Lesen der Etiketten von Baby- und Kinderprodukten geben. Babyhaut unterscheidet sich von der Haut Erwachsener, doch mit wenigen, gut ausgewählten Produkten ist die Pflege meist ganz einfach.
Warum ist Babyhaut anders?
Babyhaut ist dünner als die Haut Erwachsener, verliert leichter Feuchtigkeit und hat im Verhältnis zum Körpergewicht eine größere Oberfläche. Deshalb kann der Kontakt mit aufgetragenen Produkten pro Kilogramm Körpergewicht höher ausfallen. Hinzu kommt, dass der Windelbereich ständig feucht und abgedeckt ist und daher leichter gereizt wird.
Diese Besonderheiten sind der Grund, warum Babyprodukte gesondert bewertet werden. Das EU-Kosmetikrecht und die daran angeglichenen Vorschriften in der Türkei verlangen, dass die Sicherheitsbewertung von Produkten für Kinder unter drei Jahren diese Unterschiede berücksichtigt. Für einige Stoffe gelten zudem eigene Beschränkungen für diese Altersgruppe.
Grundprinzip: weniger Produkte, weniger Inhaltsstoffe
Am wirksamsten ist es in der Babypflege, die Zahl der verwendeten Produkte und die Vielfalt der Inhaltsstoffe gering zu halten. In der Neugeborenenzeit genügt das Waschen mit lauwarmem Wasser meist völlig; ist ein Reinigungsmittel nötig, reicht eine kleine Menge eines milden Produkts. Jedes neue Produkt bedeutet einen neuen Stoff, mit dem die Haut in Kontakt kommt.
Unter den milden Tensiden werden Glucoside wie Coco-Glucoside und Cocamidopropyl Betaine häufig eingesetzt. In Pflegeprodukten helfen wenig bedenkliche Stoffe wie Glycerin, Panthenol und Paraffinöl in Kosmetikqualität, die Hautbarriere zu unterstützen.
Wenn Sie ein neues Produkt ausprobieren, wechseln Sie am besten immer nur ein Produkt auf einmal; so lässt sich leichter erkennen, welches Produkt eine mögliche Reaktion auslöst. Bei empfindlicher Haut ist es außerdem sinnvoll, das Produkt zunächst einige Tage an einer kleinen Stelle zu testen. Wer Babykleidung mit einem parfümfreien Waschmittel wäscht und auf zu viel Weichspüler verzichtet, verringert ebenfalls die Duftstoffe, mit denen die Haut in Berührung kommt; mehr dazu im Ratgeber Waschmittel und Weichspüler.
Parfüm: der wichtigste Punkt bei Babyprodukten
Der vertraute „Babyduft“ vieler Babyprodukte stammt größtenteils von zugesetztem Parfüm. Parfüm ist die Hauptquelle von Duftstoffallergien, und eine Allergie entwickelt sich meist mit der Zeit durch wiederholten Kontakt. Daher ist es bei Baby- und Kinderprodukten eine vernünftige Vorsichtsmaßnahme, parfümfreie Varianten zu wählen, besonders bei Kindern mit empfindlicher oder zu Ekzemen neigender Haut.
Achten Sie auf dem Etikett neben Parfum, Fragrance oder Aroma auch auf deklarierte Allergene wie Linalool und Limonene. Denken Sie daran, dass auch Produkte, die „mit natürlichen ätherischen Ölen beduftet“ sind, diese Allergene enthalten können. Einzelheiten finden Sie im Ratgeber Duftstoffallergene.
Konservierungsmittel und Feuchttücher
Feuchttücher, Lotionen und Flüssigseifen enthalten Wasser und brauchen deshalb ein Konservierungsmittel. Phenoxyethanol wird in Babyprodukten häufig verwendet; der SCCS kam zu dem Schluss, dass es in der zulässigen Höchstkonzentration von 1 % für alle Verbrauchergruppen einschließlich Kindern sicher ist. Auch Methylparaben gilt innerhalb der zulässigen Grenzen als sicher.
Propylparaben und Butylparaben sind in der EU dagegen in Leave-on-Produkten verboten, die im Windelbereich von Kindern unter drei Jahren angewendet werden. Methylisothiazolinone (MIT) hat in der Zeit, als es in Feuchttüchern verwendet wurde, zu zahlreichen Allergiefällen geführt und ist in der EU in Leave-on-Produkten verboten. Wenn Sie diese Namen auf importierten Produkten oder Altbeständen sehen, seien Sie vorsichtig.
Parfümfreie Feuchttücher mit kurzer Inhaltsliste können bei Babys, die zu Windeldermatitis neigen, einen Unterschied machen. Wo möglich, ist auch die Reinigung des Windelbereichs mit Wasser und Watte eine Alternative. Mehr über Konservierungsmittel erfahren Sie im Ratgeber Konservierungsmittel in Kosmetik.
Puder: Vorsicht beim Einatmen
Babypuder gehörte viele Jahre lang zum Wickeln dazu. Heute raten viele Kinderärztinnen und Kinderärzte davon ab, Puder bei Babys zu verwenden, oder empfehlen äußerste Vorsicht. Der Hauptgrund: Feine Staubpartikel können eingeatmet werden, in die Lunge des Babys gelangen und Atemprobleme verursachen. Dieses Risiko gilt sowohl für Talkum als auch für Puder auf Maisstärkebasis.
Talkum ist zudem ein seit Langem umstrittener Stoff: Die IARC stufte Talkum 2024 als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ (Gruppe 2A) ein, wobei sie darauf hinwies, dass die Belege beim Menschen begrenzt sind. Talkum in Kosmetikqualität muss asbestfrei sein. Praktisch gesehen ist bei Feuchtigkeit und Wundsein im Windelbereich eine Schutzcreme mit Zinkoxid meist die bessere Wahl als Puder. Wenn Puder verwendet wird, dann nur in sehr kleiner Menge, fern vom Gesicht des Babys und zuerst in die Hand gegeben.
Wundschutzcremes
Der häufigste Wirkstoff in Wundschutzcremes ist Zinkoxid. Es bildet eine Schutzschicht auf der Haut, mildert die reizende Wirkung von Urin und Stuhl und ist ein wenig bedenklicher Stoff. Cremes auf Basis von Vaseline und Paraffin bieten eine ähnliche Barrierewirkung; Panthenol kann zur Beruhigung der Haut beitragen.
Bessert sich der wunde Po nicht innerhalb weniger Tage oder treten Bläschen, offene Stellen oder eine sich ausbreitende Rötung auf, kann eine Pilz- oder bakterielle Infektion vorliegen; dann sollten Sie die Kinderarztpraxis aufsuchen.
Sonnenschutz für Babys
Die allgemeine Empfehlung von Fachgesellschaften für Kindergesundheit lautet, Babys unter sechs Monaten von direkter Sonne fernzuhalten: Schatten, ein Hut und dünne, körperbedeckende Kleidung sind der erste Schutz. Zur Verwendung von Sonnencreme in dieser Altersgruppe sollten die Empfehlungen der Kinderärztin oder des Kinderarztes maßgeblich sein.
Für ältere Babys und Kinder werden meist parfümfreie Sonnencremes mit mineralischen Filtern wie Zinkoxid oder Titandioxid bevorzugt; sie reizen die Haut in der Regel weniger. Achten Sie bei Sprays darauf, dass Ihr Kind das Produkt nicht einatmet. Einzelheiten zu UV-Filtern finden Sie im Ratgeber Filter in Sonnencremes.
Häufige Fragen
Ist Parfüm in Babyprodukten schädlich?
Parfüm verursacht nicht bei jedem Baby Probleme; es ist jedoch die Hauptquelle von Duftstoffallergien, und eine Allergie kann sich durch wiederholten Kontakt entwickeln. Besonders bei empfindlicher oder zu Ekzemen neigender Haut sind parfümfreie Produkte eine gute Wahl.
Ist Babypuder sicher?
Viele Kinderärztinnen und Kinderärzte raten wegen der Gefahr, dass feiner Staub eingeatmet wird, von Puder ab. Bei Feuchtigkeit und Wundsein im Windelbereich sind Schutzcremes mit Zinkoxid meist die bessere Wahl.
Darf man Babys unter sechs Monaten mit Sonnencreme eincremen?
Die allgemeine Empfehlung lautet, Babys in diesem Alter von direkter Sonne fernzuhalten und sie mit Schatten und Kleidung zu schützen. Zur Verwendung von Sonnencreme fragen Sie am besten Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt.
Sind Feuchttücher für Babyhaut geeignet?
Parfümfreie Feuchttücher mit kurzer Inhaltsliste sind für die meisten Babys geeignet. Bei Neigung zu Windeldermatitis kann die Reinigung des Windelbereichs mit Wasser und Watte eine Alternative sein.
Was bedeutet „brennt nicht in den Augen“ bei Shampoo?
Solche Produkte werden meist mit milderen Tensiden und einem augenfreundlicheren pH-Wert formuliert. Sie sollen weniger brennen als Erwachsenenshampoos, wenn sie ins Auge gelangen; trotzdem sollte Augenkontakt vermieden und das Auge im Fall der Fälle mit reichlich Wasser ausgespült werden.
Diese Seite dient der allgemeinen Information und ist keine persönliche medizinische Beratung. Warnhinweise auf dem Etikett und der Rat von Fachleuten haben immer Vorrang.